Herzliche Verabschiedung am Staatsinstitut - das letzte Wort hat IRin Maria Kasuch

Herzliche Verabschiedung am Staatsinstitut - das letzte Wort hat IRin Maria Kasuch

Großartig war sie, meine letzte Vorlesung in Pädagogik!

Ach, Sie meinen, Vorlesung und großartig sind zwei Wörter, die eher selten zu kombinieren sind? Nicht, wenn diese Vorlesung vom Kollegium des Staatsinstituts vorbereitet wurde und sich dahinter eine „kleine“ interne Feier anlässlich meiner Verabschiedung in den Ruhestand verbirgt.

Ja, tatsächlich, nach einer sehr langen Zeit von mehr als 20 Jahren in der FöL-Ausbildung bin ich nun seit 1. Juli im Ruhestand. So ganz ist der neue Aggregatszustand in meinem Kopf noch nicht angekommen, zumal ich gedanklich auch noch immer sehr gern mit der letzten Vorlesung, also meiner Abschiedsfeier beschäftigt bin. Es war aber auch wirklich so originell und spritzig und ideenreich und kurzweilig und heiter und und und …

Das Ganze fand statt im Vorraum der Aula – wo eben alle größeren Veranstaltungen des Staatsinstituts stattfinden. Frau Dr. Neubauer und Frau Dr. Thieme hatten sich – da mein Tätigkeitsschwerpunkt die Allgemeine Pädagogik war – vom Aufbau des Fachbuches „Pädagogik“, das von Hermann Hobmair herausgegeben wird und von mir meistens als „die rote Bibel“ bezeichnet wurde, inspirieren lassen.  Am Inhaltsverzeichnis dieses Buches entlang kreierten die beiden also eine Vorlesung zum Spezialgebiet der Ruhestandspädagogik. Ganz im Sinne der neuen Lernkultur, der Öffnung des Unterrichts sowie Prinzipien wie Selbsttätigkeit, Mitverantwortung, Arbeitsteilung etc. integrierten sie nahezu jede einzelne Kollegin und v. a. auch Herrn Ranninger mit seinem Zugang zu und seinem Händchen für professionelle Technik.

Die Einstimmung zur Vorlesung erfolgte durch die Institutsband unter Leitung von Kathrin Küffner; sie war im weiteren Verlauf noch mehrere Male zur Auflockerung zu hören mit Titeln wie „Das kann uns keiner nehmen“, „Ein Hoch auf uns“ und einigen weiteren.

Unter dem Gliederungspunkt „Laudative Pädagogik“ wurden jetzt alle HörerInnen vom Institutsleiter willkommen geheißen und der Werdegang des Ehrengastes (also meiner!) kurz vorgestellt. Ich wurde auf einen besonderen Sitzplatz komplimentiert und bekam von Herrn Dr. Engelhardt die Schärpe der AlterspräsidentIn angelegt. Damit war es jedoch noch nicht genug des Lobens. Frau Hempfling, die immerhin eine polnisch sprechende Großmutter hatte, musste eine Dankrede der polnischen Kultusministerin für meine 5 Jahre Auslandsschuldienst mimen! Weiter ging es mit den fünf Freisinger Kolleginnen, die zu meiner großen Freude nach Bayreuth gekommen waren. Sie hatten sich ebenfalls einen ganz besonderen Beitrag ausgedacht. Zuerst musste ich in einem kleinen Test beweisen, dass ich mich an die Freisinger Zeit noch gut genug erinnerte und dann trugen die früheren Kolleginnen abwechselnd vor, woran sie sich erinnern, was sie mit mir assoziieren und erlebt haben. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob wirklich jedes Gedächtnis perfekt funktioniert hat; sie erinnerten sich nämlich ausschließlich an Positives!

Ein weiterer Gliederungspunkt hieß „Pädagogische Grenzen“. Er umfasste die Beiträge, die die einzelnen Ausbildungsjahrgänge sich für mich überlegt hatten. Um es gleich vorweg zu nehmen: Allzu schwere Erziehungsfehler scheinen mir nicht unterlaufen zu sein, denn die Beiträge waren allesamt phantastisch!

Das AJ 1 hatte den Song „Rock mi“ von voXXclub umgedichtet in „Frau Kasuch, ade“. Nachdem das Lied verklungen war, bei dem alle Anwesenden zumindest den Refrain kräftig mitsangen, kamen sie einzeln zu mir, jede/r mit einer Gerbera in der Hand und einem guten Wunsch für die Zukunft.

Das AJ 2 schenkte mir ein Zitronenbäumchen, nachdem sie mich zuvor noch zum Oberst ehrenhalber ernannt hatten (Der Titel geht auf eine scherzhafte Redewendung zurück, die vor fast zwei Jahren beim Schullandheimaufenthalt entstanden war.). Anschließend zeigten sie mir auf einer Weltkarte, wohin ich in meiner neu gewonnenen Freiheit reisen könnte, um mir einige Herzenswünsche zu erfüllen (wie z. B. auf einem Elefanten zu reiten).

Während der ganzen Feier war ich zwar immer wieder einmal sehr bewegt, aber mir war noch nicht nach Weinen zumute gewesen. Das hätte jedoch das AJ 3 dann beinahe geschafft. Sie stellten sich, alle in weißen T-Shirts, jede/r mit einer Rose in der Hand auf der großen Treppe auf und sangen Hildegard Knefs „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ – wobei das mich natürlich durch dich ersetzt war. Dass ich anschließend einen Strauß mit 30 Rosen in der Hand hielt, versteht sich von selbst.

Es gab noch weitere Folien, die einige meiner Ecken und Kanten liebevoll auf die Schippe nahmen, z. B. den zu häufigen Gebrauch seltener Fremdwörter oder meinen ausgeprägten Fokus auf Gendergerechtigkeit (Eine Fotomontage zeigte mich als Coverwoman auf der „Emma“!). Auch Fotos, die meine diversen mehr oder weniger geglückten Sporterfahrungen im Kreis der KollegInnen dokumentierten, wurden gezeigt (auf dem Pferd, im Drachenboot und auf dem Golfplatz).

Sozusagen als i-Tüpfelchen hatte der musische Teil der Vorlesung auch eine originale Begegnung zu bieten. Leonie Neubauer (Preisträgerin von Jugend musiziert) sang das –umgedichtete – Lied „Der Zauberer“ von Mozart und beschloss die Feier am Ende mit dem Klavierstück „Fantaisie Impromptu“ von Frederic Chopin.

Der eine oder die andere wird sich nun vielleicht fragen „Ja, und sie selbst? Maria Kasuch hat doch nicht etwa nur die Füße still gehalten?“ Hat sie nicht. Ich hatte sozusagen das letzte Wort, als Zusammenfassung, Resümee und Nachwort der Vorlesung in einem. Ich habe in Form eines Märchens  auf all die glücklichen Fügungen in meinem Berufsleben zurückgeblickt, bevor wir die Feier bei Fingerfood und einem Glas Prosecco ausklingen ließen.

Allen, die daran mitgewirkt haben, mir eine so große Freude mit dieser wunderbaren Verabschiedung zu bereiten, sage ich von Herzen „Dankeschön“. Was für ein Tag! Es war einfach großartig!

 

Maria Kasuch